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Lückenloser Feuchteschutz Des Gebäudesockels

DIN 18533: Bauwerksabdichtungen im erdberührten Bereich

Autor: Rainer Volgmann, Key Account Manager für Industrie und Export bei hahne Bautenschutz

Konkretisierte Ausführungsdetails, neue Abdichtungsstoffe und insgesamt mehr Praxisbezug – die neue DIN 18533 bietet Planern und Verarbeitern bei der Herstellung von Abdichtungen im erdberührten Bereich ein hohes Maß an Sicherheit. So werden beispielsweise bei der Wahl der geeigneten Abdichtungsbauart auch die Umgebungsbedingungen des Bauwerks berücksichtigt und komplizierte Detailanschlüsse näher beschrieben. Erstmals sind dabei zudem alternative Abdichtungsstoffe wie beispielsweise Flüssigkunststoffe (FLK) und mineralische Dichtungsschlämme (MDS) im erdberührten Bereich zugelassen. Der Anwendungsbereich für PMBC (polymer modified bituminous thick coatings) wurde erweitert.

Die Planung und Ausführung von Abdichtungen erdberührter Bauteile ist ein komplexes Thema und verlangt Planern und Verarbeitern viel Erfahrung und Knowhow ab. Eine Herausforderung besteht hierbei vor allem in der Wahl der richtigen Abdichtungsstoffe – in Abhängigkeit des vorliegenden Anwendungsfalls. Die Bandbreite an Planungs- und Ausführungsfehlern ist in diesem Bereich besonders hoch. Dabei können entstandene Feuchteschäden erhebliche Kosten und einen hohen Aufwand für die Instandsetzung nach sich ziehen. Um Planern und Ausführenden die Arbeit zu erleichtern und diese sicherer zu gestalten, wurde im Juli 2017 die DIN 18533 ins Leben gerufen. Sie gehört zur neuen, bauteilbezogenen Normenreihe DIN 18531 bis DIN 18535, welche unter anderem die DIN 18195 aus dem Jahr 1983 abgelöst hat. Die neue Normenreihe setzt sich aus fünf Teilen zusammen: Hierzu zählen neben erdberührten Bauteilen (DIN 18533) auch die Bereiche Dächer, Balkone, Loggien und Laubengänge (DIN 18531), befahrbare Flächen aus Beton (DIN 18532), Innenräume (DIN 18534) sowie Behälter und Becken (DIN 18535).

Anwendungsbereich der DIN 18533
Als Teil der neuen Normenreihe regelt die DIN 18533 den Bereich „Abdichtung von erdberührten Bauteilen“. Sie beinhaltet die Regelungen aus der alten Norm, die entsprechend überarbeitet und ergänzt übertragen wurden. So sind Anwendungsbereiche erweitert und Abdichtungsstoffe, die in der Praxis bereits zur Anwendung kamen, nun erstmals auch in der Norm verankert. Die DIN 18533 deckt alle relevanten erdberührten Bereiche eines Bauwerks ab. Hierzu zählen erdberührte Außenwände, Bodenplatten, Querschnittsflächen von Außen- und Innenwänden sowie erdüberschüttete Decken. Die Norm setzt sich aus drei Teilen zusammen. Der erste widmet sich den allgemeinen Planungs- und Ausführungsregeln und ist stets in Kombination mit Teil zwei und drei anzuwenden. Teil zwei thematisiert die Abdichtung mit bahnenförmigen Abdichtungsstoffen, während Teil drei flüssig zu verarbeitende Abdichtungsstoffe regelt. Die Norm wurde vorrangig für Neubauten konzipiert, ist jedoch unter Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten im Bestand auch bei Altbauten anwendbar. Eine Abdichtungsnorm speziell für den Bestand ist in Planung.

Neu ist, dass die DIN 18533 ein Bauwerk nicht isoliert betrachtet, sondern die äußeren Umgebungsbedingungen – wie Untergrund und Nutzung – mitberücksichtigt. In der Norm wurden hierzu Wassereinwirkungs-, Riss- und Rissüberbrückungs-, Verformungs- sowie Raumnutzungsklassenklassen eingeführt, auf deren Grundlage sich die passende Abdichtung ermitteln lässt.

Betrachtung der Umgebungsbedingungen
Zunächst gilt es, die Wassereinwirkung auf das Bauteil zu definieren. Hierzu werden sowohl Art und Menge des Wasserangriffs als auch die Wasserdurchlässigkeit des an die erdberührten Bauteile angrenzenden Bodens, ebenso wie der Bemessungswasserstand, der Geländeverlauf und das Vorhandensein einer wirksamen Dränung in die Beurteilung mit einbezogen. Die Einordnung erfolgt in vier Wassereinwirkungsklassen:

W1-E Bodenfeuchte und nicht-drückendes Wasser
– W1-1-E Bodenfeuchte und nicht-drückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden
-W1.2-E Bodenfeuchte und nichtdrückendes Wasser bei Bodenplatten und erdberührten Wänden mit Dränung
W2-E Von außen drückendes Wasser
-W2.1-E Mäßige Einwirkung von drückendem Wasser ≤ 3m Eintauchtiefe
-W2.2-E Hohe Einwirkung von drückendem Wasser > 3m Eintauchtiefe
W3-E Nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken
W4-E Spritzwasser am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter erdberührten Wänden

Ferner kommt dem Zusammenspiel zwischen Abdichtung und Untergrund eine entscheidende Rolle zu. Da sich Risse in der Regel nicht vollständig ausschließen lassen, muss die gewählte Abdichtung hierfür ausgelegt sein. Sie hat die Aufgabe, entstehende Rissbreitenänderungen zu überbrücken. Dies gilt sowohl für den Fall der Rissentstehung als auch für die -ausbreitung. Sicherheit bietet hier die Einführung der Rissklassen R1-E (gering) bis R4-E (sehr hoch). Die Bestimmung erfolgt in Abhängigkeit des vorliegenden Abdichtungsuntergrunds. Zentral ist außerdem die Zuordnung der entsprechenden Rissüberbrückungsklasse RÜ1-E (gering) bis RÜ4-E (sehr hoch) in die jeweilige Abdichtungsbauart. Dabei ist zu beachten, dass die erforderliche Rissüberbrückungsklasse auch von der Wassereinwirkungs- und der Raumnutzungsklasse abhängig ist. Die Berücksichtigung der Nutzung in den Räumen im erdberührten Bereich hat den Hintergrund, dass die Anforderungen an die Trockenheit der Raumluft sehr unterschiedlich sein können. So werden beispielsweise an eine Tiefgarage andere Anforderungen gestellt als an Wohnräume. Hierzu sind in der DIN 18533 die Raumnutzungsklassen RN1-E (geringe Anforderungen) bis RN3-E (besonders hohe Anforderungen) eingeführt worden. Ebenfalls müssen mögliche Verformungen im Bereich von Bewegungsfugen berücksichtigt werden. Maßgeblich sind hier die in der DIN 18533 verankerten Verformungsklassen VK1-E (resultierende Verformung vr ≤ 5 mm) bis VK5-E (resultierende Verformung vr ≤ 25 mm). In Abhängigkeit dieser verschiedenen Parameter kann schließlich die Wahl der geeigneten, genormten Abdichtungsbauart erfolgen.

Ausbildung der Detailanschlüsse
In den Normenteilen zwei und drei wird der größere Praxisbezug gegenüber der alten Norm besonders deutlich. Denn hier finden erstmals auch Detailanschlüsse wie unter anderem die Verbindung der Abdichtung mit Durchdringungen, Einbauteilen oder angrenzenden Bauteilen Berücksichtigung. Ferner gibt die Norm Hinweise zum Anschluss von Abdichtungen an WU-Beton und geht auch auf die Detailausbildung im Bereich von Gebäudeaußentreppen oder vorgefertigten Lichtschächten ein. Als Abdichtung für Detailausbildungen eignet sich beispielsweise der Flüssigkunststoff Imberal DAB 30P von Hahne. Detailliert beschrieben ist in der DIN 18533 zudem das Thema Querschnittsabdichtungen. Hier sind nun auch mineralische Dichtungsschlämme (MDS) geregelt. Letztere fanden in der DIN 18195 bereits Erwähnung, waren jedoch nicht in den Ausführungsteilen für den erdberührten Bereich enthalten. MDS werden in der Praxis oftmals als Alternative zu bahnenförmigen Abdichtungen eingesetzt. Sie sorgen beispielsweise im Wandquerschnitt für einen kraftschlüssigen Verbund zwischen Abdichtung und Mauermörtel, wodurch das Risiko von scherkraftbedingten Abrissen der Außenabdichtung reduziert wird. Im Sockelbereich gewährleisten MDS einen stabilen Untergrund für aufzubringende Materialien.

Neue, alternative Abdichtungsstoffe
Für den erdberührten Bereich neu geregelt sind unter anderem Abdichtungen mit Flüssigkunststoffen (FLK) aus Polyurethanharz (PUR), Polymethylmethacrylatharz (PMMA) und Polyesterharz (UP) für die Wassereinwirkungsklassen W3-E und W4-E. Daneben erweitert die Norm den Anwendungsbereich Kunststoffmodifizierter Bitumen-Dickbeschichtungen – ehemals KMB. Mit dem Erscheinen der neuen Norm erhielt der Abdichtungsstoff die neue Bezeichnung PMBC (polymer modified bituminous thick coatings). Erstmals zugelassen ist die Anwendung von PMBC für alle Wassereinwirkungsklassen bei anstehendem Grundwasser bis maximal drei Meter. Als normgerechte PMBC-Flächenabdichtung im erdberührten Bereich bietet Hahne verschiedene Produkte aus der Reihe Imberal und Ökoplast an – wie zum Beispiel Imberal S100 90B oder Ökoplast 1K 20B. Als Untergrund eignet sich die auf PMBC abgestimmte Spezialgrundierung Imberal Aquarol 10D. Sofern Wasser auf der Rückseite der Abdichtungsschicht nicht ausgeschlossen werden kann, sollte zudem ein Schutz vor rückseitiger Durchfeuchtung der PMBC vorgesehen werden. Hierfür bietet sich eine Zwischenabdichtung aus rissüberbrückender oder nicht rissüberbrückender MDS – zum Beispiel Intrasit RZ1 55HSP – an.

FPDs (flexible, polymervergütete Dickbeschichtungen) – wie die bewährte Wandquerschnitts- und Sockelabdichtung Imberal RSB 55Z von Hahne – sind bislang noch nicht in der DIN 18533 berücksichtigt. Der Grund hierfür ist, dass zum Zeitpunkt des Aufsetzens der Norm die Erfahrung mit der Produktgruppe noch nicht ausreichend gegeben war. Erstmalig wurde eine Richtlinie für FPDs im Februar 2020 veröffentlicht. Diese bietet Verarbeitern eine gute Orientierung und beschreibt Einsatzmöglichkeiten. Bei einer zukünftigen Neufassung der DIN 18533 ließen sich die Empfehlungen und Hinweise der Richtlinie gegebenenfalls auch normativ berücksichtigen.

Weitere wichtige Regelungen verankert
Mit der neuen DIN-Norm geht eine Reihe weiterer Regelungen einher, welche die Ausführung von Bauwerksabdichtungen im erdberührten Bereich transparenter und sicherer machen. So ist beispielsweise bei PMBC im Bereich der Wassereinwirkungsklasse W2-E der Einbau einer Verstärkungseinlage verpflichtend. Die Gewebearmierung verhindert, dass der Abdichtungsstoff bei ständig anstehendem Wasserstaudruck in einen Untergrundriss hineingepresst wird. Dem Schutz der Abdichtung dient eine weitere Neuerung: So fordert die DIN 18533 für Perimeterdämmplatten ab W 2.1-E eine vollflächige Verklebung. Dies soll eine Unterläufigkeit vermeiden. Auch der Übergang der Bodenplatte zur aufgehenden Wand steht in der neuen DIN im Fokus. Um in diesem Bereich eine zuverlässige Dichtigkeit zu erzielen, ist eine Dichtkehle mit wasserdichtem Mörtel auszubilden. Abschließend sollen auch die Regelungen bezüglich der Schichtdicken nicht unerwähnt bleiben. In diesem Zusammenhang ist für PMBC eine Ausführung in zwei Schichten – je nach Wassereinwirkungsklasse mit oder ohne Verstärkungseinlage – vorgeschrieben. Um die lastfallbedingte Mindesttrockenschichtdicke nicht zu unterschreiten, sollte der Verarbeiter einen Sicherheitszuschlag von mindestens 25 Prozent berücksichtigen. Auch diese Regelung trägt zu einer gleichbleibend hohen Qualität der Bauwerksabdichtung bei.

Abschließend lässt sich resümieren, dass die DIN 18533 die Abdichtung von erdberührten Bauteilen sehr umfassend behandelt und auch den anerkannten Regeln der Technik – das heißt, die bereits bewährten Ausführungen in der Praxis – gerecht wird. Beispielhaft hierfür steht der Einsatz von PMBC für Abdichtungen bei Grundwasser bis drei Meter Höhe. Zugleich stellt die DIN eine sinnvolle Basis für zukünftige Aktualisierungen und Ergänzungen dar.

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Die Herstellung von Abdichtungen im erdberührten Bereich ist ein komplexes Thema, das bei Planern und ausführenden Unternehmen viel Erfahrung und Knowhow voraussetzt. Foto: Hahne
Der Übergang der Bodenplatte zur aufgehenden Wand muss zuverlässig dicht sein. Nach DIN 18533 ist eine Dichtkehle mit wasserdichtem Mörtel auszubilden. Auch ein Schutz vor rückseitiger Durchfeuchtung der PMBC ist häufig empfehlenswert. Foto: Hahne
Schutz der Abdichtung: Ab W 2.1-E fordert die DIN 18533 für Perimeterdämmplatten eine vollflächige Verklebung. Foto: Hahne
Erstmals zugelassen ist die Anwendung von PMBC für alle Wassereinwirkungsklassen bei anstehendem Grundwasser bis maximal drei Meter. Foto: Hahne
In der neuen DIN Norm finden auch Detailanschlüsse wie die Verbindung der Abdichtung mit Durchdringungen, Einbauteilen oder angrenzenden Bauteilen Berücksichtigung. Foto: Hahne
FPDs sind bislang noch nicht in der DIN 18533 enthalten. In der Praxis hat sich die Wandquerschnitts- und Sockelabdichtung Imberal RSB 55Z von Hahne bewährt. Foto: Hahne
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