Das P1 Erhält Eine Holzbetonverbunddecke Mit Einer Nur Sechs Zentimeter Dicken Sichtbaren Decke Aus BauBuche-Furnierschichtholz. Foto: Brüninghoff

Brüninghoff baut mehrgeschossiges Wohnungsobjekt in Berlin

Gemeinsam mit dem Architekturbüro Kaden+Lager realisiert Brüninghoff derzeit 46 Eigentumswohnungen und ein Café für eine Baugruppe im Stadtteil Weißensee in Berlin. Das Projekt umfasst einen offen gestalteten Wohnblock mit unterschiedlichen Gebäudehöhen. Das sogenannte „P1“ wurde partizipativ geplant. Es zeichnet sich vor allem durch seine Primärkonstruktion aus Holz aus. Erstmals kommt dabei der Werkstoff BauBuche in der Decke zum Einsatz. Das Material vereint Eigenschaften wie eine hohe Oberflächengüte, Tragkraft und Zugfestigkeit.

Der Pistoriusplatz befindet sich im Berliner Ortsteil Weißensee. Während der nördliche Teil des Platzes dem Land Berlin gehört und als Stadtraum für die öffentliche Nutzung vorgesehen ist, entsteht auf der südlichen Fläche der Gebäudekomplex P1. Das Projekt wurde von einer Baugruppe aus 76 Privatpersonen in Auftrag gegeben. Der geplante Wohnungsblock besteht aus fünf fünfgeschossigen und fünf viergeschossigen Häusern und umschließt einen begrünten Innenhof. Bewusst fiel die Entscheidung auf eine offene Blockrandbebauung in Holz-Hybridbauweise, die sich in die denkmalgeschützte Umgebung des Kiezes einfügt. Die Gebäude mit Flachdach und einer Höhe von 17,40 Meter sowie 14,40 Meter (Attikahöhe) lassen viel Sonnenlicht in den Innenhof. Die offene Architektur ermöglicht zudem Sichtbezüge zwischen Hofinnerem und Straßenraum und reagiert auf das heterogene Umfeld im Kontext des Stadtteils Weißensee. Da Berlin über keine Parkplatzordnung verfügt, wurde auf eine Tiefgarage verzichtet. Brüninghoff ist bei diesem Projekt mit dem kompletten Holzbau inklusive werksseitig installierter Fenster sowie in Teilen der Elektro-Vorinstallation beauftragt.

Partizipative Planung
Mit dem Bau wird das Ziel verfolgt, kostengünstigen und zugleich hochwertigen Wohnraum für die Mitglieder der Baugruppe zu schaffen. Der Wohnblock bietet 44 Etagen- und zwei Maisonettewohnungen, die über offene Treppenhäuser – inklusive Aufzug – erschlossen werden. Das Angebot reicht von der 2-Zimmerwohnung mit rund 50 Quadratmetern bis hin zur großzügigen 6-Zimmerwohnung mit rund 150 Quadratmetern. Die Wohnungen in den Erdgeschossen verfügen über Terrassen und Rasenflächen. In den Obergeschossen bieten Loggien und Balkone privaten Außenraum. Der Realisierung ging eine intensive Planung voraus. Denn das Gebäude wurde partizipativ mit der Baugruppe entwickelt. „Die Wohneinheiten wurden mit den einzelnen Parteien individuell abgestimmt und auf die persönlichen Anforderungen zugeschnitten“, erklärt Architektin Kora Johanns aus dem Büro Kaden+Lager. Diese Abstimmungsprozesse seien ein spannender und zugleich herausfordernder Bestandteil der Entwurfs- und Planungsarbeit gewesen.

Primärkonstruktion mit Holz
Beim Tragwerk des P1 dominiert der Werkstoff Holz. Die Außenwände werden in Holzrahmenbauweise realisiert. Im Innenbereich werden dahingegen an einigen Stellen Wände in Brettsperrholz ausgeführt, die der Gebäudeaussteifung dienen. Zur geschossübergreifenden Verbindung werden Stahleinbauteile eingesetzt. Den Kern der Außenwand bildet eine 200 Millimeter starke Riegelkonstruktion mit Wärmedämmung. Sie ist von innen und außen beplankt. Auf die Außenwand kommt eine sechs Zentimeter WDVS-Dämmung sowie ein Putzsystem. Insgesamt beträgt die Dicke der Außenwand 32,4 Zentimeter beziehungsweise 35,8 Zentimeter im Bereich des Treppenhauses. Die offenen Treppenhäuser werden in Stahlbetonbauweise realisiert. Sowohl der Treppenhauskern als auch die Zwischendecken, Treppen und Treppenpodeste sind in Stahlbeton ausgeführt. Den Lastabtrag übernehmen Stützen in BauBuche beziehungsweise Brettschichtholz, die nicht sichtbar in die Wände integriert werden. Lediglich für den Keller und die erdberührten Bauteile kam kein Holz zum Einsatz. Alle Wände des P1 inklusive der Fenster werden aus Kiefernholz werkseitig von Brüninghoff vorproduziert. Die Fenster in den Loggiabereichen, sowie im Erdgeschoss und die Pfosten-Riegelfassade werden teilweise vor Ort eingebaut. Die weitreichende Vorfertigung garantiert eine kurze Bauzeit und schnelle Abwicklung.

BauBuche im Sichtbereich
Auch bei den Geschossdecken wird Holz verwendet. Erstmals greift Brüninghoff dabei zur BauBuche. Im P1 wird eine Holzbetonverbunddecke mit einer nur sechs Zentimeter dicken, sichtbaren Decke aus BauBuche-Furnierschichtholz eingebaut. Der darüber liegende Aufbau besteht aus einer zwölf Zentimeter starken Schicht bewehrtem Aufbeton sowie einer vier Zentimeter dicken Mineralfaser Trittschalldämmung, einem sieben Zentimeter starken Zement-Heizestrich und einem BauBuche-Parkettboden. In Bereichen mit größeren Spannweiten werden geschweißte Stahlträger nicht sichtbar in die Decken integriert. Ausschlaggebend für die Verwendung von BauBuche waren die optischen und konstruktiven Vorzüge des Materials. Zum einen besitzt es mit einem höchst präzisen Furnierlagenbild eine sehr hohe Oberflächengüte – es eignet sich damit besonders für den Sichtbereich. Zum anderen sind mit BauBuche schlankere Konstruktionen möglich. „Dank der außergewöhnlichen Tragkraft und Zugfestigkeit des Werkstoffes, konnte ein BauBuche Querschnitt von nur sechs Zentimetern erreicht werden. Damit beträgt der Gesamtaufbau der Holzbetonverbunddecke 18 Zentimeter. Konventionelle Deckenkonstruktionen mit Nadelholz liegen mit rund 22 Zentimetern deutlich darüber“, erklärt Maik Effing, Bereichsleiter bei Brüninghoff. Rund 590 Kubikmeter BauBuche werden im P1 verbaut.

Wetterschutzdächer auf der Baustelle
Der Werkstoff BauBuche stammt aus dem Laubholz-Sägewerk von Pollmeier, wird aus regionalem Buchenholz gefertigt und als Deckenmaterial abgebunden. Bei der Lagerung der Platten auf der Baustelle ist der Witterungsschutz besonders zu berücksichtigen. Denn bei BauBuche handelt sich um ein sehr feuchteempfindliches Holz. So kommen Wetterschutzdächer zum Einsatz, die jeweils vor Arbeitsbeginn heruntergenommen und nach Arbeitsende wieder aufgesetzt werden. Die angelieferten Platten werden nach dem Stellen der Holzwände leicht überhöht auf Sprieße abgelegt. Unter letzteren sind Betonpflastersteine angeordnet, damit nach dem Betonieren der Decken die Stützen entfernt werden können. Vor dem Betonieren erfolgt die Verlegung der TGA-Installation und der Bewehrung. Gemäß Statik werden in den beanspruchten Bereichen Vollgewinde-Tellerkopfschrauben in die BauBuchendecke geschraubt, um diese mit der Betondecke zu verbinden. Um die Querkraft zu übertragen, weisen die Deckenelemente Schubkerven auf.

Einheitliches Brandschutzkonzept in F60
Ein wichtiges Kriterium für die brandschutztechnischen Anforderungen ist die zugrunde liegende Gebäudeklasse. Aufgrund der unterschiedlichen Höhen werden die P1-Häuser den Gebäudeklassen 4 und 5 zugeordnet. Dies hat zur Folge, dass in der GK 4 alle tragenden Bauteile in der Brandschutzklasse F60 und in der GK 5 alle tragenden Bauteile in F90 ausgeführt werden müssen. Um dennoch ein einheitliches Brandschutzkonzept zu erzielen, wurde eine Abweichung beantragt. Mit der Genehmigung ist nun auch für die tragenden Bauteile der GK 5 F60 zulässig. Bei den Decken wird dies über den Abbrand der BauBuche möglich. Dieser beträgt 0,7 Millimeter pro Minute. Bei den Außenwänden ist eine entsprechende Kapselung notwendig. Diese wird über eine doppelte Beplankung mit Feuerschutzplatten erreicht. Die angegliederten Treppenhäuser sind nicht geschlossen und somit auch im Brandfall jederzeit als sicherer Rettungsweg nutzbar. Bestandteil des Brandschutzkonzepts ist außerdem eine Brandmeldeanlage.

Das P1 zeigt, dass BauBuche als Baustoff hochwertige und ökologische Konstruktionen ermöglicht. Es ist damit auch optisch und technisch konkurrenzfähig zu den herkömmlichen Bauprodukten aus Nadelholz. Gleichwohl trägt BauBuche dem Aspekt der Nachhaltigkeit Rechnung. Herausforderungen ergeben sich dagegen durch die Neuartigkeit und Härte des Baustoffes sowie seiner Feuchteempfindlichkeit. Im Zuge der Bauplanung und Ausführung wurden hierfür geeignete Lösungen entwickelt.

Bautafel 

Projekt: P1, Berlin
Architektur: Kaden+Lager / Kaden Klingbeil Architekten, Berlin
Tragwerksplanung: Pirmin Jung, Sinzig
Bauausführung: Brüninghoff GmbH & Co. KG, Heiden
Bauzeit: März 2016 bis Juni 2018

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Im Stadtteil Weißensee in Berlin realisiert Brüninghoff derzeit ein Projekt mit 46 Wohnungen und einer Gewerbeeinheit. Foto: Brüninghoff
Der Neubau wird als offene Blockrandbebauung mit unterschiedlichen Gebäudehöhen und offenen Treppenhäusern errichtet. Foto: Brüninghoff
Das Architekturbüro Kaden+Lager aus Berlin entwickelte das Gebäude partizipativ mit der Baugruppe. Foto: Brüninghoff
Sowohl der Treppenhauskern als auch die Zwischendecken, Treppen und Treppenpodeste werden in Stahlbeton realisiert. Foto: Brüninghoff
Je nach Anforderung werden die Außen- und Innenwände in Holzrahmenbauweise oder Brettsperrholz ausgeführt. Foto: Brüninghoff
Das P1 erhält eine Holzbetonverbunddecke mit einer nur sechs Zentimeter dicken sichtbaren Decke aus BauBuche-Furnierschichtholz. Foto: Brüninghoff
BauBuche eignet sich besonders für die sichtbare Deckenuntersicht im P1, da sie sich durch eine hervorragende Oberflächengüte auszeichnet. Foto: Brüninghoff